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Erzählhilfen

Übungen – Schreibangebote

Gustav Klimperbein

von Hermann Mensing

In der Geschichte „Gustav Klimperbein“ von Hermann Mensing geht es um einen gleichnamigen Jungen, der eigentlich mit sich selbst und der Welt zufrieden ist.

Er ist ein ganz normaler Junge, „nicht groß, nicht klein, nicht dumm, aber dick, fast so dick wie ein Bär“, heißt es in der Geschichte.

Damit hätte Gustav eigentlich kein Problem, denn er mag alles, was dick ist, z.B. seine Eltern oder seinen Papagei, wären da nicht die dünnen Kinder, die ihn auf dem Schulhof ärgern. Sie beleidigen ihn mit bösen Spottversen und verulken seinen Namen. „Klimperbauch“, „Klimperschwein“, „Wackelbauch“ rufen sie hinter ihm her.

Gustav sucht dringend und ganz ohne fremde Hilfe nach einem Ausweg aus dieser schwierigen Situation.

Beim angestrengten Nachdenken, fällt ihm eine Lösung ein. Er will die Sprüche der anderen ignorieren. Völlig unerwartet erhält Gustav dann doch noch eine große Hilfe. Eines Abends bellt es laut vor seinem Haus. Als Gustav die Tür öffnet, läuft ein sehr großer, sehr dünner, aber freundlicher Hund in die Küche. Gustav nennt ihn Dünner. Beide schließen eine innige Freundschaft. Natürlich darf Dünner nicht mit in die Schule. Als Gustav am nächsten Tag auf dem Schulhof wieder geärgert wird, probiert er es mit dem Weghören. Es klappt, auch wenn es nicht ganz einfach ist. Aber dann ist Dünner doch zur Stelle und verteidigt Gustav mit seiner eindrucksvollen Gestalt und seinem furchterregenden Gebiss. Die anderen Kinder sind beeindruckt und reden Gustav zum ersten Mal mit seinem wirklichen Namen an. Der Schluss bleibt offen, stellt aber ein gutes Ende für Gustav und Dünner in Aussicht.

Die Illustrationen von Barbara Gramann

Die ausdruckstarken und farbkräftigen Bilder von Barbara Gramann verleihen der Geschichte an den entscheidenden Stellen eine lebendige Dynamik, so dass die Leserin/der Leser schnell in die Welt des Gustav Klimperbein eintauchen kann. Über die warmen Farben und den aquarellhaft anmutenden Stil, der durch eine besondere Zeichentechnik von Barbara Gramann erzeugt wird, entsteht eine ausdrucksvolle und realistische Umsetzung der wichtigsten Schlüsselszenen. Die Figur des Gustav Klimperbein ist besonders einfühlsam dargestellt. Man sieht, dass er dick ist, aber das macht ihn keinesfalls unsympathisch. Im Gegenteil. Gustav wirkt wie ein ganz normaler freundlicher Junge, den eigentlicher jeder gern zum Freund haben möchte. Dünner, der Hund, zeigt ebenfalls einen freundlichen und ausdrucksvollen Charakter, was aber nicht darüber hinwegtäuscht, dass er sich durchaus angsteinflößend gebärden kann.

Gerade Kinder, die Deutsch als Zielsprache erlernen, finden über die Illustrationen eindeutige Anhaltspunkte und inhaltliche Verstehensinseln innerhalb des anspruchsvollen Textes.

 

Textanspruch und Zielgruppe

Der Text ist sowohl inhaltlich als auch sprachlich anspruchsvoll und daher für Kinder der Klasse 3 und 4 und auch darüber hinaus in der weiterführenden Schule für die Klassen 5 und 6 geeignet. Kinder mit Deutsch als Zweitsprache benötigen textentlastende Hilfen, z. B. über die Klärung wichtiger Schlüsselwörter (s. „Wortspeicher“, „Redemittel“ und „mehrsprachige Bildwortkarten“).

Der Text ist insgesamt realistisch angelegt. Er zeigt jedoch einige Elemente, die in der Zuordnung nicht ganz eindeutig sind. Ist der zugelaufene Hund tatsächlich real oder gehört die Figur in den Bereich der Fiktion? Es bleibt der Interpretation des Lesers überlassen, hierauf eine eindeutige Antwort zu finden. Der Hund könnte genauso gut als Sinnbild für Gustavs eigene Kraft und Wehrhaftigkeit stehen.

Doch Kinder werden den Hund „Dünner“ selbstverständlich als einen tatsächlich zugelaufenen Hund ansehen, der zum richtigen Zeitpunkt in Gustavs Leben tritt. Diese Sicht sollte man auch unbedingt gelten lassen.

Das Thema, das Hermann Mensing in seiner Geschichte aufgreift, ist leider bereits für viele Kinder in der Grundschule hoch brisant und aktuell. Auf ein Kind wird von anderen Kindern regelmäßig und gezielt physische oder psychische Gewalt ausgeübt, weil es ein tatsächliches oder vermeintliches Unterscheidungsmerkmal zur Mehrheit aufweist. Es handelt sich um eine typische Mobbingsituation.

Bei Gustav ist es seine Köperfülle, die die anderen Kinder veranlasst ihn zu hänseln. Ein namentlich genannter Junge, Hans Lange, scheint der Anführer zu sein.

Gustav reagiert wie viele Kinder in solchen Situationen. Er versucht ganz allein, ohne die Hilfe seiner Eltern, sein Problem zu lösen und vertraut sich über längere Zeit niemandem mit seinem Kummer an. Als seine Not größer wird und er über angestrengtes Grübeln eine Lösung zu finden sucht, bemerkt sein Vater seine Bedrücktheit und schließlich erzählt Gustav seinen Eltern von seiner schwierigen Situation. Zeitgleich bellt es vor der Tür und der große Hund Dünner steht vor Gustavs Haustür und weicht fortan nicht mehr von seiner Seite.

So passieren drei Dinge gleichzeitig: Gustav findet von selbst eine Lösung, indem er sich vornimmt, die Bosheiten der anderen zu ignorieren. Er bricht sein Schweigen und weiht seine Eltern ein. Und der Hund Dünner taucht plötzlich auf und stärkt ihm den Rücken.

Am nächsten Tag ignoriert Gustav tatsächlich die bösen Sprüche der anderen, was nicht einfach ist, aber nach einer Weile besser funktioniert. Zudem kommt Dünner unerwartet über den Schulhof gerast und beeindruckt vor allem Hans Lange, Gustavs größten Widersacher, mit seinem fruchterregenden Verhalten.

Die Mobbingsituation scheint sich aufzulösen. Hans Lange nennt Gustav zum ersten Mal beim Vornamen und begegnet ihm damit auf Augenhöhe. Das Ende bleibt offen.

Wenn man den Text „Gustav Klimperbein“ mit Kindern thematisiert, sollte man sich vergegenwärtigen, dass es auch in der Klasse oder Lerngruppe Mobbingopfer und Mobbingtäter geben könnte. Wie zahlreich und gehäuft Mobbingsituationen sich bereits unter Kindern ereignen, zeigt einmal die umfangreiche Literatur für Lehrkräfte, Eltern und betroffene Kinder als auch die zahlreichen Internetportale, die sich dem Thema widmen. Es ist daher angebracht, sich selbst vor der Thematisierung der Geschichte über das Thema „Mobbing“ zu informieren und das soziale Klima in der Klasse etwas aufmerksamer zu studieren.

Unter den folgenden Links erhalten Sie die Möglichkeit, sich für das Thema „Mobbing“ zu sensibilisieren.

Auch ohne die Geschichte von Gustav Klimperbein wird das Thema Mobbing für die Kinder in Ihren Lerngruppen Brisanz haben. Die Kinder werden sich in einer oder mehreren Rollen der klassischen Mobbingkonstellationen, Opfer, Täter, Mitläufer oder Zuschauer, früher oder später, mehr oder weniger betroffen, wiederfinden.

Insofern kann die Geschichte Anlass sein, auf eine aktuelle Mobbingsituation einzugehen oder die Kinder präventiv auf solch eine Situation vorzubereiten.

Jedes Kind in diesem Alter hat schon vergleichbare Situationen erlebt.

Das Überschreiten von Grenzen, der Umgang mit Verboten sind zentrale Themen im Kinderalltag.

Paul Maar legt seine Erzählung so an, dass der kindliche Rezipient sich sowohl mit Tina, als auch mit Tim identifizieren kann. Auch in die Rolle von Frau Bode wird sich jedes Kind hineinversetzen können.

Methodische Hinweise

Erstbegegnung mit dem Text

Wegen der Betroffenheit, die der Text auslösen kann, sollte er unbedingt gemeinsam im Klassen- oder Lerngruppenverband gelesen werden.

So lassen sich Verständnisfragen und wichtige Schlüsselwörter zusammen erschließen. Sowohl die Illustrationen als auch der Text stehen im PDF-Format als Downloadmaterial zum Ausdruck bereit.

Das Bilderbuch lässt sich über die Illustrationen hervorragend über das Kamishibai transportieren. Wegen der großen Nähe zur Lebenswirklichkeit der Kinder wird jedes Kind die Erzählhandlung mit dem eigenen Erlebnishorizont vernetzen können. DaZ–lernende Kinder haben die Möglichkeit, sich den Text in den angebotenen Sprachen digital vorlesen zu lassen oder selbst zu erlesen.

Ein Transfer auf die Lebenswirklichkeit der Kinder wird sich wegen der Brisanz der Thematik nicht vermeiden lassen und sollte daher für wichtige soziale Lernprozesse konstruktiv genutzt werden.

Doch zunächst sollte das textinterpretierende Gespräch an erster Stelle stehen.

Die Kinder erhalten darüber die Gelegenheit, sich zu der Geschichte zu äußern, ihre Leseeindrücke sowie ihre Meinung zu dem Thema der Geschichte und zu den Protagonisten zu formulieren.

Hierfür sollten der „Wortspeicher“ und die zur Verfügung stehenden „Redemittel“ in vergrößerter Form (s. Downloadmaterial) angeboten werden.

    Wichtige Anschlussfragen, die unter Einbeziehung der Bilder genutzt werden können:

    • Wie findest du Gustav?
    • Was glaubst du, wie Gustav sich fühlt, wenn er auf dem Schulhof von den anderen Kindern beleidigt wird?
    • Warum will Gustav ganz allein eine Lösung finden?
    • Was würdest du an seiner Stelle tun?
    • Glaubst du, dass es Gustav hilft, die Sprüche der anderen zu ignorieren?
    • Was glaubst du, warum die anderen Kinder so gemein zu ihm sind?
    • Was würde Gustav in so einer Mobbingsituation auf dem Schulhof helfen?
    • Könntest du dir vorstellen, Gustav zu helfen?
    • Wie würdest du ihm helfen?
    • Am Schluss der Geschichte spricht Hans Lange Gustav zu ersten Mal mit seinem Vornamen an. Man weiß nicht, wie die Geschichte weitergeht.
    • Was glaubst du, wie die nächsten Tage und Wochen für Gustav in der Schule aussehen?
    • Nicht jeder hat so einen tollen Hund wie Dünner.
    • Was oder wer könnte Gustav sonst noch unterstützen?

    Weiterführende Aktivitäten

    Über szenische Darstellungen und Standbilder lassen sich einzelne Sequenzen mit den unterschiedlichen Gefühlslagen der Protagonisten nachvollziehen. Hier können die Kinder ermutigt werden, die jeweilige Gefühlslage der Protagonisten über Mimik und Gestik nachzuempfinden und zum Ausdruck zu bringen.

    Besonders das Bild mit der Schlüsselszene der Mobbingsituation auf dem Schulhof eignet sich für ein längeres Verweilen und die Artikulation der Gedanken und Gefühle der Figuren.

    Der Transfer auf die Lebenswirklichkeit der Kinder sollte sehr behutsam und in Abhängigkeit zur sozialen Situation in der Lerngruppe vorgenommen werden. Sicher werden jedoch die Kinder von sich aus eigene oder beobachtete Mobbingerlebnisse thematisieren.

    Sollte es in der Klasse aktuell eine Mobbingsituation bzw. ein Mobbingopfer geben, müssen mit den betroffenen Kindern Einzel- und Gruppengespräche geführt werden.

    Das gemobbte Kind darf keinesfalls zu einem Fallbeispiel für die gesamte Klasse werden.

    Die eigenen Interventionen sollten unter Einbeziehung professioneller, kollegialer Beratung gut durchdacht und auf das Ausmaß der Situation abgestimmt werden.

    In Abhängigkeit zur Gesamtsituation muss überlegt werden, ob und zu welchem Zeitpunkt das Buch „Gustav Klimperbein“ thematisiert werden sollte.

    Informationen zu den Lernmaterialien

    Erst auf der Grundlage einer angeleiteten Textrezeption sollten die Hör-, Lese- und Schreibaufgaben allein oder in Partner- oder Gruppenarbeit gelöst werden.

    Lernbereich Hören

    Auf der Basis einer angeleiteten Texterschließung trainieren die Kinder ihre Hör- und Sprachkompetenz über die angebotenen Übungen.

    So muss bei der Hörübung Richtig oder falsch? bei jedem Satz darauf geachtet werden, ob sich ein inhaltlich falsches Wort eingeschlichen hat oder nicht.

    Die Hörübung Wörter heraushören trainiert das selektive Hören, indem die gehäuft vorkommenden Wörter „Gustav“ und „Dünner“ möglichst schnell in einem umfangreichen Text identifiziert werden müssen.

    Die Übung Wie heißt die richtige Antwort? trainiert das globale und inhaltsorientierte Hören. Einzelne Abschnitte müssen inhaltlich verstanden werden, um einzelne Informationen zielgerichtet erfassen zu können.

    Lernbereich Sprechen und Erzählen

    Die Bildvorlagen und die ausgewählten Bildwortkarten, der Wortspeicher und die Redemittel bieten Kindern, die noch unsicher im deutschen Sprachgebrauch sind, die notwendigen Hilfen und sprachlichen Mittel für strukturierte Unterrichtsgespräche (s. Erstbegegnung mit dem Text). Darüber hinaus bieten sie Erzählhilfen für eine freie Nacherzählung. Schlüsselszenen lassen sich über verteilte Rollen nachspielen.

    Lernbereich Lesen

    „Leseseiten zum Text“

    Die Datei „Leseseiten zum Text“ enthält den leicht gekürzten Originaltext, der in einzelne kleine Episoden entsprechend gegliedert ist. So bekommt der umfangreiche Text eine überschaubare Struktur. Textentlastend wirken auch die Szenenbilder, die den Leseabschnitten zugeordnet wurden und richtig angekreuzt werden müssen. Ebenso müssen abschnittsweise schwierige Wörter einer Erklärung zugeordnet werden. Der Leser erhält somit eine kleine Verstehensinsel, die eine weitere Informationsaufnahme erleichtert und zur Auseinandersetzung mit dem Wortschatz animiert.

    „Kreislesen: Der Hund

    Das Kreislesen ist ein kooperatives reziprokes Leseverfahren, das wichtige Lesestrategien arbeitsteilig in einer Vierergruppe trainiert. Dabei erhalten die Leser*innen Sachinformationen zum Thema „Hund“. Damit wird der Protagonist „Dünner“ auch auf der Sachebene aufgegriffen. Die Bilder dienen der Textentlastung sowie dem Wortschatzaufbau. Für unbekannte, schwierige Wörter ist auf jeder Seite ein Wortspeicher angelegt, der die Informationsaufnahme erleichtert und somit dem passiven und aktiven Wortschatzaufbau dient. 

    „Lesebegleitheft“

    Die Aufgaben des Lesebegleitheftes erfordern überwiegend textinterpretierende Auseinandersetzungen und intensivieren die Textrezeption. Die Kinder sind gefordert, die unterschiedlichen Perspektiven der Protagonisten einzunehmen. Darüber hinaus finden sich Anregungen zur Auseinandersetzung mit dem Thema „Mobbing“.

    Lernbereich Schreiben

    „Generatives Schreiben“

    Das Angebot zum „generativen Schreiben“ nutzt ein Stilelement aus der Geschichte und fordert zum Verfassen kleiner analoger Texte auf der Grundlage der vorgegebenen Textstruktur heraus. Diese Schreibaufgabe ist vor allem für Kinder mit eher geringen Deutsch- und/oder Schreibkenntnissen gedacht.