In Wirklichkeit war es anders

 von Achim Bröger
Illustration: Bianca Mense

Ko Cacipe ine aber cane

Kotar Achim Bröger
Übersetzerin und Sprecherin: Margita Ajetovic

Ein Junge saß am Fluss.
Die Sonne schien und ließ das Wasser blitzen und funkeln.
Da hinten wachsen die Ufer zusammen.
Dort wird der Fluss immer schmaler, stellte sich der Junge vor, obwohl man ihm gesagt hatte: „Das sieht nur so aus. In Wirklichkeit ist es anders.“
Aber er glaubte das nicht.

 

Jek Cavro besohl ko Paj.
O Kam sijajini taj oljestar o Paj blizini hem sijajini.
Uduri palal bajron o Obale zajedno sastavinenape.

 

Uduri o Paj ovela sano, Sol pe se o Cavro ki godji,em kaj vacerdjelje se: ,,So samo adjahar dicol: Ki Cacipe odova sa aver cane.“
Ama ov na veruini sa ko odova.

Und deswegen wollte er gerne wissen, wo diese Stelle war.
„Ich suche sie“, nahm er sich vor.
Lange ging er den schmalen Weg am Flussufer entlang.
Trotzdem blieb die Stelle, wo der Fluss schmal wurde, immer weiter vor ihm.
Komisch, dachte er, obwohl ich gehe und gehe, komme ich nicht näher.

 

Hem odoljese mangela te djanel, kaj odova tan ine.
„Me ka rodavlje.“ Prepostavia pese.
But vreme djelo e  sane Drumoa ko Paj samo adjahar pravo.

 

Ama halja acol odova Tan, kaj o Paj sano ovela, maj dur oljestar.
Cudno, misljinolpe ov, em kaj djava em pana djava, me na resava pase.

Er traf einen Mann.
„Guten Tag“, wünschte der Junge.
„Ich suche die Stelle, wo der Fluss dünn wie ein Strich wird. Wo finde ich sie?“
Der Mann lachte und fragte: „Weißt du nicht, wie das in Wirklichkeit ist?“
„Nicht genau“, antwortete der Junge.
„Und ich glaube auch nicht alles, was man mir erzählt.“
„Na, dann such nur“, sagte der Mann kopfschüttelnd und ging weiter.

Ov resela jeke Manuse.
„Latco DJive“, zeljinol Lje se o Cavro.
„Me rodavao Tan, kaj o Paj sano ovela sar jek linija. Kaj saj te arakav lje?“

 

O Manus asanlo hem pucol lje: „Na djaneja tu, sar odova ko Cacipe dicol?“
„Na bas“, vaceri lje se o Cavro.
„Hem na veruinava so maje sa vacerena.“
„Pa onda rode samo“, vaceri lje se o Manus hem cerol sereja taj prela halja.

Der Junge fragte noch einige Leute. Sie lachten über ihn.
Und einige sagten: „Die Stelle gibt´s nicht.
Wir haben keine Zeit für solchen Unsinn.“
Darüber ärgerte sich der Junge.
Und er suchte immer weiter, bis es dunkel wurde.

O Cavro puclja pana maj but Manusen.
On asanalje se.
A nesave vacerdje lje se: „Odova Tan nane.
Amen nanemen vreme e savke Diljine bucendje.“
Odova sa holjancerdja e Cavre so sundja.
Hem ov rodija halja, na ulo racate.

 

 
 

Da kam er zu einem Haus.
Davor saß ein Mann am Bootssteg und sah über das Wasser.

 

Ote reslja uzo jek Cer.
Ote anglal beslja jek Manus anglo Cer hem diklja lje kotar Paj.

Und der Junge fragte auch ihn: „Ich suche die Stelle, wo der Fluss schmal wird.
Ich sehe sie immer vor mir. Kannst du mir sagen, wo ich sie finde?“
Der Mann lächelte und sagte: „Ich weiß nicht, wo sie ist und wo du sie findest.
Aber ich habe viel Zeit, denn ich bin schon ziemlich alt.
Ich würde die Stelle gerne mit dir suchen.“

 

Hem o Cavro puclja em o lje: Me rodava o Tan, kaj o Pani sano ovela.
Me dikaaaaa uvek anglo mande.Saj te vaceremaje, kaj saj te arakavlje?“

 

O Manus asala hem vaceri lje se:„Me na djanava, kaj tani hem kaj saj te arakela.
Ama isima but vreme, hem me ijum puro.
Me but bare cefeja ka avav tuvaja odova Tan te roda.“

Da war der Junge nicht mehr allein.
Der Mann holte seine Mundharmonika aus dem Haus und das Fernrohr.
Dann packten sie viele Dinge in das Boot des Mannes, warfen den Motor an und fuhren los.
Nebeneinander standen sie im Boot.
Manchmal sangen sie.
Oft sagten sie: „Da vorne ist die Stelle.“
Dann starrten sie durch das Fernglas.

 

O Cavro na ine vise kokri.
O Manus ljel peja pi Mujesirharmonika kotar Cer hem Dvogled so saj ljesar te dikel podur.

Em but buca pakuje je Manusesor Camco, taren o Motori hem djelje.
Jek uzo jek beslje ki Camco.
Po kaj drom djilabdje.
Maj but droma Pennen: „Akate anglal tano oTan.“
Taj diken kotar Dvogled.

Aber sie kamen nie bis dorthin.
Im Gegenteil, der Fluss wurde immer breiter.
Schließlich war er so breit, dass er zum Meer geworden war.
Jetzt schaukelten der Junge und der Mann auf dem riesigen Wasser.
Und sie sahen, dass weit vor ihnen am Horizont Wasser und Himmel zusammentrafen.
Auch diese Stelle wollten sie finden.

 

Ama on ni na reslje dji ote.
Nego o Paj sasa maj buvlo.
Napalal ine sa adjahar but buvlo, so ulo sar o More.

 

Akana nisinenape o Cavro hem o Manus ko baro Paj.
Hem dikena, but für oljendar ko Horizonti o Paj hem i Havaja zajedno resenape.
Hem odova Tan mangena te araken.

Am Abend ging die Sonne unter.
„Sie versinkt im Meer“, sagte der Junge.
„Das zischt bestimmt.“
Da suchten sie auch die Stelle, wo die Sonne im Meer versank.
Sie suchten, wo das Wasser und der Himmel zusammenstießen.
Und sie suchten, wo der Fluss schmal wie ein Strich wurde.

 

Ki Akaami o Kam djelo telje.
„On na dicon ko More“ vaceri o Cavro.
„Ote sundjola nesto.“

 

Ote mangena te roden hem odova Tan, kaj o Kam ko More na dicol.
On rodena, kaj o Paj em i Havaja zajedno resenape.
Hem rodena, kaj o Paj sano ovela sar jek Linija.

Die beiden wurden Freunde, und sie fühlten sich wohl in ihrem Boot.
Sie unterhielten sich.
Sie aßen und tranken miteinander.
In der Nacht leuchteten sie mit der Taschenlampe über das Wasser.
Das glitzerte dann wie die Sterne über ihnen.

 

On duj Ulke Amala, hem on osetinenape Sukar ko po Camco.
On cerena pe se lafi.
On halje em pilje zajedno.
Ki Racate mukena e Baterija te sijajini Upro Paj.
Sa. Sijajindja sar o Cerenja upri ljende.

 

Wenn das Wetter schön war,
sprang der Junge ins Meer.
Er schwamm und tauchte.
Große Fische und Muscheln sah er.
Sie kamen in Stürme, wild tanzte ihr Boot auf den Wellen.

 

Ked Vreme ine suzo, o Cavro skocija ko More.
Ov pljivija em ronija.
Bare Mace hem Skoljke diklja ov.
Doljijaljen em o losno vreme but bavlal pudela cak ljengor Camco celjol kotar o Talasia.

Sie fuhren um die ganze Erde.
Von einem Meer ins andere und durch die Flüsse vieler Länder.
Wo es schön war, blieben sie länger.
Aber irgendwann fuhren sie weiter.
Immer geradeaus.
Die Stelle, wo der Fluss dünn wurde, wo die Sonne im Wasser versank und wo sich das Wasser und Himmel berührten, fanden sie nirgends.

 

On vozier pe kotar celo Puf.
Kotar jek More dji ki aver hem kotar Jezeria reslje ko Gradia.
Kuri sasa lace, Po but djive.

 

Ama jek vreme vozie halja.
Samo pravo.
Ko Tan, uduri kaj o Paj sano ovela, udurikuri o Kam ko Paj djal hem so uduri so o Paj em e Havaja sastavinenape, na araklje nigde.

Als sie nach Hause kamen, sagten einige Leute: „Seid ihr dumm“-
„So ein Blödsinn“, meinten andere.
Da sahen sich der Junge und der Mann an und lächelten.
„Immerhin“, sagte der Junge.
„Ich weiß jetzt, dass es die Stellen, die wir gesucht haben, nicht gibt.
Aber ich weiß das nicht nur so, weil es mir jemand gesagt hat.
Ich weiß es wirklich.“

 

Ked alje pse Cere, nesave Manusa vacerdjeljenje: „Tu men ijen diljine“
„Adjahar jek Diljinipe“, misljinen avera.

O Cavro em o Manus samo dikljeljen hem asandilje.
Ustvari“, vaceri o Cavro.
„Djanava akana, sa odola Tana, so rodindjam, so nane.
Ama djanava, so samo neko vacerdjamaje.
Me djanava Cave.

Der Mann nickte und sagte: „Wir haben viele Dinge gesehen.
Wir haben in warmem Wasser gebadet, in der Sonne gelegen und nachgedacht.
Wir haben Menschen getroffen.
Und außerdem sind wir lange zusammen gewesen.
Schön war das.“

 

O Manus misljinope hem vaceri: „Amendikljam but buca.

 

Amen nandjiljam ko tato Paj, ko Kam pasljiljam hem misljiam.
Amen resljam Manusen.
Em ustvari Amen ijamlje but vremezajedno.
Odova i sukar.“

 

Danach gähnten die beiden und gingen schlafen.
Sie waren ja auch in Afrika, in Indien und noch weiter gewesen.
Und das macht müde.

 

Posljem on duj amzinena hem djelje te soven.
On ine ist oki Afrika, ki Indija Em pana ine negde aver.
Hem kotar sa odova sovela pe ljendje.

 

Ende
 

Kraj