Infos zum Buch und zum Lernmaterial
Max will immer küssen
von Martin Baltscheit
aufbereitet und zusammengestellt
von Krystyna Strozyk und Gicell Arteaga
Max ist ein Gorilla, der alles hat. „Er ist groß. Er ist stark. Er ist schön. Aber …“ Mit dieser überraschenden Wendung eröffnet Martin Baltscheit die Geschichte und legt den Grundstein für die weitere Handlung. Denn wer erwartet schon, dass ein großer Gorilla nichts lieber tut, als zu küssen. Im Dschungel macht Max vor niemandem Halt. Er küsst, umarmt und streichelt alle Tiere, vom zarten Schmetterling bis zum mächtigen Elefanten, die giftige Schlange eingeschlossen, ohne vorher zu fragen.
Max hat alle Tiere aufrichtig lieb. Gerade deshalb bleibt er den Lesenden sympathisch. Für ihn spielt es keine Rolle, ob ein Tier niedlich, gefährlich oder giftig ist. Berührungsängste kennt er nicht. Jedes Tier ist ihm herzlich willkommen und wird mit seiner überschwänglichen Zuneigung bedacht.
Doch die Tiere mögen das nicht. Erst die Begegnung mit einer Gorilla-Dame führt zum Happy End: Höflich stellt sie ihm eine einfache Frage: „Ja, haben Sie denn gefragt?“ Nachdem Max respektvoll gefragt hat, möchte sie tatsächlich von ihm geküsst werden. Die letzte Illustration zeigt Max umgeben von vielen kleinen Gorilla-Babys.
Illustration
Die Bilder sind erdig bis farbenreich und leicht überzeichnet, wodurch der Handlungsort Dschungel und die Protagonisten besonders lebendig wirken. Mimik und Körperhaltung der Tiere zeigen deutlich, wie sie auf Max´ überschwängliche Zuneigung reagieren.
Der große, kräftige Gorilla Max steht dabei meist im Mittelpunkt der Bildkomposition.
Seine körperliche Präsenz und ungestüme Art werden durch dynamische Bewegungen und großzügige Bildflächen betont. Im Kontrast dazu erscheinen die anderen Tiere oft kleiner oder defensiver, was die Wirkung seiner ungefragten Nähe zusätzlich unterstreicht.
Die Illustrationen erzählen die Geschichte daher nicht nur begleitend zum Text, sondern erweitern sie um eine visuelle Ebene. Gerade jüngere Kinder können über die Bilder die Gefühle der Figuren nachvollziehen und die Situation besser verstehen. Dadurch eignen sich die Illustrationen besonders gut als Gesprächsanlass, um mit Kindern über Emotionen, Grenzen und unterschiedliche Reaktionen auf körperliche Nähe zu sprechen.
Botschaft
Martin Baltscheit gelingt es, eine humorvolle Geschichte mit einer wichtigen pädagogischen Botschaft zu verbinden. Das Buch zeigt auf kindgerechte Weise, wie wichtig es ist, die eigenen Gefühle ebenso wie die Grenzen anderer zu respektieren. Kinder erfassen die Bedeutung von Grenzen und Einverständnis: Sie lernen, dass Zuneigung nur akzeptabel ist, wenn alle Beteiligten zustimmen.
Textanspruch und Zielgruppe
- Sprache: Knapp, klar und gut verständlich; kurze, prägnante Sätze; einfache Strukturen erleichtern das dialogische Vorlesen
- Aufbau: Kettenförmige Episoden fördern das Verständnis und eignen sich besonders für Kinder, die Deutsch als Zweitsprache erlernen
- Gesprächsanlässe: Humorvolle Übertreibung (ein Gorilla, der alle Tiere küsst) lädt zu Diskussionen über Gefühle, Grenzen und soziale Regeln ein
- Zielgruppe: Kita- und frühe Grundschulalter (ca. 4–7 Jahre)
- Einsatz im Unterricht: Ideal für Gespräche über körperliche Nähe, Einverständnis, Respekt und soziale Regeln
Die Kombination aus Text und Bildern ermöglicht es, interaktive Vorlese- und Diskussionsrunden zu gestalten. Kinder können die Reaktionen der Tiere erkennen, eigene Gefühle benennen und lernen, eigene Grenzen einzufordern und die der anderen zu respektieren. Daher eignet sich das Buch besonders für Kita- und Grundschulkinder der Anfangsklassen (ca. 4–7 Jahre) und kann im pädagogischen Kontext gezielt genutzt werden, um Gespräche über körperliche Nähe, Einverständnis, Respekt und soziale Regeln anzuregen.
Methodische Hinweise
Erstbegegnung mit dem Text
Dialogischer Vorlesevortrag mit dem Kamishibai
Die farbintensiven und ausdrucksstarken Illustrationen eignen sich besonders für einen Kamishibai-Vortrag in einem analogen Unterrichtssetting (vgl. Bild- und Textvorlagen im Downloadbereich). Sie laden zum Verweilen und zur genauen Bildbetrachtung ein.
Aufgrund des kettenförmigen Erzählaufbaus, in dem die Tiere nacheinander Max begegnen, bietet es sich an, Bildwortkarten (vgl. Lernangebote zur Mehrsprachigkeit) bereits im Vorfeld oder schrittweise während des Vorlesens einzusetzen. So kann die Spracharbeit gezielt unterstützt werden. Die Kinder haben dabei die Möglichkeit, ihre Herkunftssprachen einzubringen, indem sie die Tiere benennen. Eine mehrsprachige Wörtersammlung kann so aufgebaut und im Verlauf der Einheit erweitert werden.
Da der Text sehr kurz ist, bietet sich auch ein zwei- bis dreisprachiger Vorlesevortrag an, sofern mehrsprachige Vorleser*innen (z. B. Eltern) zur Verfügung stehen. Alternativ kann die Buchvorstellung über eine Beamer-Präsentation erfolgen. In diesem Fall liest eine deutschsprachige Person vor und ergänzt den Vortrag durch Audiosequenzen in weiteren Sprachen:
„Ich lese euch den Text auf Deutsch vor. Wir können uns aber auch die Stimme des Autors anhören oder einzelne Sätze in anderen Sprachen.“
Zu Beginn wird der Titel „Max will immer küssen“ zunächst abgedeckt. Anhand des Titelbildes formulieren die Kinder Vermutungen zum möglichen Buchtitel, die unkommentiert gesammelt werden. Nach den ersten Sätzen erscheint das Titelbild erneut. Der Gesichtsausdruck von Max wirkt dabei eher unzufrieden oder grimmig und steht im Kontrast zu seiner scheinbar perfekten Situation. Dies kann als Gesprächsanlass genutzt werden:
„Warum sieht Max nicht glücklich aus, obwohl er alles hat?“
Anschließend wird das Wort „aber“ auf einer großen Sprechblase sichtbar gemacht und Max zugeordnet. Die Kinder überlegen, welche Bedeutung diese Wendung haben könnte und wie die Geschichte weitergeht.
Auf der folgenden Seite verändert sich Max’ Gesichtsausdruck leicht. Dies kann durch gezielte Impulse aufgegriffen werden:
- „Was hat sich auf dem Bild verändert?“
- „Was könnte Max denken?“ (Denkblase)
- „Hat er den Schmetterling hinter sich bemerkt?“
- „Hat er vielleicht etwas gehört?“
Erst im Anschluss daran wird der Text vorgelesen.
Im weiteren Verlauf richtet sich der Fokus auf die unterschiedlichen Größenverhältnisse sowie auf die Frage, wie die Tiere Max’ Küsse erleben.
Die Szene mit der Gazelle, die den sich nähernden Max noch nicht bemerkt hat, eignet sich gut als Einstieg. Die Kinder werden vermuten, dass sie sich erschrecken wird. Auch die Gesichtsausdrücke von Elefant, Krokodil und insbesondere der Schlange verdeutlichen ihr Missfallen.
Eine neue Wendung entsteht in dem Moment, in dem keine Tiere mehr zu sehen sind. Auch hier bietet es sich an, die Kinder über den Fortgang der Geschichte spekulieren zu lassen:
„Max wirkt verwundert. Was könnte er jetzt tun?“
Die folgenden Bilder sollten langsam nacheinander gezeigt werden, um die Diskrepanz zwischen Max’ lautem Gebrüll und der leisen Frage aus dem Off bewusst wahrzunehmen. Die Illustration mit Ruf- und Fragezeichen greift diesen Moment auf und lädt zum Gespräch ein:
„Wer könnte das gesagt haben?“
Nachdem die Kinder ihre Vermutungen geäußert haben, werden die letzten Seiten betrachtet.
Die Wiederaufnahme der Anfangssätze in der Variante „Mehr braucht er nicht“ regt zum Nachdenken an. Das abschließende Bild zeigt Max als glücklichen und fürsorglichen Vater.
Zum Schluss wird das Titelbild erneut gezeigt. Die Kinder äußern noch einmal ihre Vermutungen zum Titel, bevor dieser aufgelöst wird.
Anschlusskommunikation (auch zu späterem Zeitpunkt)
Nach dem Vorlesen bietet sich ein gemeinsames Gespräch im Sitzkreis an, in dem die Eindrücke der Kinder aufgegriffen und vertieft werden. Ausgangspunkt können offene Fragen sein:
- „Wie hat euch die Geschichte gefallen?“
- „Was fandet ihr besonders lustig oder überraschend?“
Anschließend kann der Fokus gezielt auf Max’ Verhalten gelenkt werden:
- „Warum wollte Max alle Tiere küssen?“
- „Hat er es gut gemeint?“
Darauf aufbauend wird die Perspektive der anderen Tiere einbezogen:
- „Wie ging es den Tieren dabei?“
- „Woran erkennt man, dass sie das nicht mochten?“
Ein zentraler Gesprächsschwerpunkt liegt auf dem Thema Grenzen und Einverständnis:
- „Darf man einfach jemanden küssen oder umarmen?“
- „Was sollte man vorher tun?“
- „Wie kann man merken, ob jemand das möchte oder nicht?“
Hier können die Kinder eigene Erfahrungen einbringen und darüber sprechen, was ihnen angenehm oder unangenehm ist.
Im nächsten Schritt wird die Wendung der Geschichte aufgegriffen:
- „Was hat Max am Ende anders gemacht?“
- „Warum war es für die Gorilla-Dame in Ordnung?“
So wird deutlich, dass Fragen und Zustimmung entscheidend sind.
Transfer in den Alltag
Um die Erkenntnisse zu sichern, kann der Bezug zur Lebenswelt der Kinder hergestellt werden:
- „Wann mögt ihr Umarmungen oder Nähe?“
- „Wann eher nicht?“
- „Was könnt ihr sagen, wenn euch etwas zu viel wird?“
Gemeinsam können einfache Formulierungen gesammelt werden, z. B.:
- „Stopp, ich möchte das nicht.“
- „Bitte frag mich vorher.“
Abschlussimpuls
Zum Abschluss kann eine kurze Reflexion stehen:
- „Was hat Max gelernt?“
- „Was können wir von Max lernen?“
Optional kann dies durch eine kleine Bewegungseinheit oder ein Rollenspiel ergänzt werden, in dem die Kinder das Fragen und Zustimmen praktisch erproben.
Informationen zu den Downloadmaterialien
Erst auf der Grundlage eines gesicherten Textverständnisses, das primär über die literaturdidaktische Auseinandersetzung erzielt wurde, sollten die Hör-, Sprech-, Lese- und Schreibaufgaben allein oder in Partner- oder Gruppenarbeit gelöst werden.
Lernbereich Hören
Bei der HörübungRichtig oder falsch? muss bei jedem Satz darauf geachtet werden, ob sich ein inhaltlich falsches Wort eingeschlichen hat oder nicht.
Die Übung Wie heißt das Wort richtig? trainiert das detailorientierte Hören. Einzelne Wörter mit falschen Wortanfängen (schön = fön) müssen identifiziert und korrekt nachgesprochen werden.
Lernbereich Sprechen und Erzählen
Die Bildvorlagen, die mehrsprachigen Bildwortkarten zu ausgewählten Schlüsselwörtern, der Wortspeicher und die Redemittel bieten Kindern, die noch unsicher im deutschen Sprachgebrauch sind, wichtige sprachliche Mittel für strukturierte Unterrichtsgespräche (s. Erstbegegnung mit dem Text). Darüber hinaus dienen sie Erzählhilfen für eine freie Nacherzählung.
Einfache zentrale Satzmuster des Textes, wie „Max will immer küssen, weil …“ fördern zudem die Bildung kausaler Satzgefüge. So werden Wortschatzarbeit, Sprechförderung und Grammatik sinnvoll in authentischen Sprachhandlungen miteinander verknüpft.
Das Mini-Book bietet alle Redemittel und Erzählhilfen in einem kleinen Format für die Hand der Kinder an.
Lernbereich Lesen
Über die gezielten Hörübungen und die vorausgegangenen Sprechakte wurde das textimmanente Wort- und Sprachmaterial bereits semantisch weitgehend gesichert und Bestandteil des „inneren Lexikons“.
Auf dieser Basis lassen sich für bereits leseerfahrende Kinder, Leseübungen auf unterschiedlichem Anspruchsniveau (Wort-, Satz- und Textebene) durchführen.
Es werden sowohl lesetechnische Fertigkeiten, wie Lesegeschwindigkeit (Satztreppen) als auch die Fähigkeit der Sinnkonstruktion (Tierrätsel) trainiert. Alle Leseaufgaben stehen im thematischen Kontext der Geschichte und erleichtern den Kindern ein Lesesinnverstehen und die Hypothesenbildung, da ihnen der inhaltliche und sprachliche Rahmen bereits vertraut ist.
Kreislesen
Auf der Grundlage eines gesicherten Textverständnisses lässt sich auch das Kreislesen als kooperatives, reziprokes Leseverfahren selbstständig in Vierergruppen durchführen.
Der Text wird in deutlicher Anlehnung an die Originalfassung zum arbeitsteiligen Erlesen angeboten. Den einzelnen Textabschnitten ist jeweils ein Bild vorangestellt, um das Textverstehen zu unterstützen. Die Auseinandersetzung mit dem Bildinhalt wird durch eine Auswahl zentraler Schlüsselwörter intensiviert, die zunächst erschlossen werden müssen. Erst im Anschluss an die Bilderschließung erfolgt der eigentliche Lesevorgang.
Nach jedem Textabschnitt gibt es eine Frage zum Sinnverstehen, die jeweils vom vierten Kind beantwortet werden soll, bevor die Rollen wechseln. Auf diese Weise entstehen kleine „Verstehensinseln“, die den komplexen Leseprozess strukturieren.
So werden wichtige Lesestrategien arbeitsteilig in der Vierergruppe trainiert. Das Leseverfahren sollte systematisch eingeführt werden.
Das Lesebegleitheft
Die Aufgabenformate des Lesebegleitheftes erfordern überwiegend textinterpretierende Auseinandersetzungen und intensivieren die Textrezeption.
Die Kinder sind gefordert, die unterschiedlichen Perspektiven der Protagonisten einzunehmen und sich selbst zu positionieren. Sie setzen sich insbesondere im Kontext der Erzählhandlung mit Gefühlen, Grenzen und Regeln auseinander.
Lernbereich Schreiben
Das Mini-Buch „Max“
„Das Minibuch ‘Max’“ fordert die Kinder heraus, eine eigene sehr einfache Analoggeschichte als Bild-Text-Kombination zu verfassen.
Generatives Schreiben
Generatives Schreiben ist ein stark gelenkter Schreibprozess auf der Grundlage vorgegebener Satz- bzw. Textstrukturen. Im Vordergrund stehen dabei weniger die textproduktiven oder erzählerischen Fähigkeiten der Kinder als vielmehr der Gebrauch von Wörtern und Satzmustern, die implizit erlernt werden.
Dennoch verfügen die Kinder am Ende des Schreibprozesses über einen präsentierbaren, grammatisch korrekten Text.
Durch den Austausch einzelner Elemente wird der Text variiert, sodass er als „neuer“ Text erscheint (vgl. Strozyk: Praxisbuch Einstieg DaZ, 2016). Der generative Schreibprozess orientiert sich an den Motiven des Bilderbuches und erfordert insbesondere die Bildung des Akkusativs sowie die Verwendung von Personalpronomen.
Die für das generative Schreiben notwendigen Satzmuster werden im Vorfeld eingeführt und mehrfach geübt. Diese Schreibaufgabe ist vor allem für Kinder mit geringen Deutsch- und/oder Schreibkenntnissen geeignet.
